Lehre im Wintersemester 2025/26

Hier findet sich neben dem Lehrangebot auch eine Auswahl an Studierendenarbeiten und Impressionen vom IGmA-Day.

Entwurfsstudio

RollercoasterAlternate

Rollercoaster Alternate erweitert die Auseinandersetzung mit Erlebnis- und Inszenierungsarchitektur um die Gestaltung alternativer Wirklichkeiten. Im Zentrum steht die Frage, wie Architektur zum Werkzeug des Worldbuilding werden kann – als Medium, um spekulative, immersive oder kritisch-utopische Realitäten räumlich zu entwerfen und erfahrbar zu machen. Der Entwurf bewegt sich an der Schnittstelle von Architektur, Szenografie, Film, Gaming und Freizeitarchitektur. Alternative Zeitlinien, Parallelwelten oder Zukunftsszenarien dienen dabei nicht als reine Fiktion, sondern als Entwurfsinstrumente, um bestehende gesellschaftliche Modelle zu hinterfragen und neue räumliche Möglichkeiten zu untersuchen. Die Projekte werden entlang der vier Themenfelder Raum, Zeit, Gesellschaft und Perspektive entwickelt. Die Exkursion nach Bratislava und Budapest vertiefte die Auseinandersetzung mit realen und konstruierten Wirklichkeiten im Stadtraum. Ein Schwerpunkt lag auf der Besichtigung der Korda Filmstudios, die Einblicke in die räumliche Produktion filmischer Welten und temporärer Architekturen ermöglichte. Darüber hinaus wurde der politisch geprägte Wiederaufbau der Budaer Burg untersucht, um Architektur als Instrument historischer Narration und gesellschaftlicher Selbstinszenierung zu diskutieren. Die Reise verband damit Fragen des Worldbuilding mit der Analyse von Stadtentwicklung, Erinnerungspolitik und räumlicher Identitätsproduktion. Ergänzt wurde der Entwurf durch gemeinsame Filmabende sowie Vorträge aus verschiedenen Disziplinen, darunter Digital Humanities, Physik und Szenenbild. Diese interdisziplinären Impulse erweiterten den Blick auf Fragen von Realität, Fiktion und Wahrnehmung und unterstützten die Entwicklung eigenständiger räumlicher Narrative. Die daraus entstandenen Entwürfe zeigen in vielfältiger Form, wie alternative Welten gelesen und verstanden werden können. Dabei war die Wahl des Mediums freigestellt. Am Ende des Semesters wurden die Entwurfsergebnisse im Rahmen einer gemeinsamen Ausstellung im Foyer des Kollegiengebäudes 1 ausgestellt und am IGmA Day 25/26 präsentiert.

Lehrpersonen: Andrea Irion, Giuliana Fronte

Studierendenarbeiten

Σ SIGMA Raumstation

Σ SIGMA ist eine modulare, internationale Raumstation mit einem rotierenden Ring, der durch Zentrifugalkraft eine künstliche Schwerkraft von etwa 1g erzeugt. Dadurch wird ein nahezu erdähnliches Leben im All ermöglicht, was langfristige Aufenthalte für Raumfahrer:innen deutlich komfortabler und gesünder macht. 

Die Station ist konzipiert für einen schrittweisen Aufbau und Erweiterung. Sie bietet Raum für viele verschiedene Nutzungen für das Wohlbefinden ihrer Bewohner:innen. Die Raumstation dient nicht nur als wissenschaftliche Plattform, sondern auch als strategische Basis für zukünftige friedliche Missionen zu Mond, Mars und darüber hinaus in die bislang unbekannten Tiefen des Weltraums.

Dabei wurde im Designprozess von Σ SIGMA großer Wert auf die Modularität gelegt, erreicht durch gleichseitige Sechsecke. Das Sechseck hat sich aus dem Vorbild der Natur ergeben, orientiert an sechseckigen Pflanzenzellen. Die gleichseitig hexagonale Form bietet Modularität, Flexibilität, Effizienz & Stabilität. Eigenschaften, die für die erfolgreiche Erkundung und Besiedlung menschenfremder Habitate notwendig sind. 

Wo die wilden Daten wohnen

WO DIE WILDEN DATEN WOHNEN untersucht die räumlichen Auswirkungen einer Gesellschaftsordnung, die zunehmend durch Prozesse der Datenerzeugung, -verarbeitung und -zirkulation geprägt ist. Obwohl diese unser alltägliches Leben maßgeblich bestimmen, bleiben ihre materiellen, räumlichen und ökologischen Konsequenzen meist unsichtbar. Der Entwurf macht diese verborgenen Strukturen der Datengesellschaft sichtbar und zeigt, wie sie bestehende Machtverhältnisse, Ausbeutungslogiken und Abhängigkeiten von privatwirtschaftlichen Akteuren reproduzieren. Die Arbeit begreift Architektur als Ausdruck gesellschaftlicher Ordnung. Entlang des Datenlebenszyklus werden die Räume, Landschaften und Ressourcen der Datenwirtschaft analysiert und in einen visuellen Zusammenhang gesetzt. Darauf aufbauend entwickelt der Entwurf ein alternatives Szenario einer selbstermächtigten Datengesellschaft jenseits plattformkapitalistischer Logiken. Neue Leitgedanken und Prozesse einer produktiven Datenpraxis formulieren ein verändertes Verhältnis zwischen Menschen, Daten und Raum, das exemplarisch in Stuttgart verortet und in neuen Typologien artikuliert wird. Über Datenparlament, Datenvernichtungszentrum, Datenkessel und Datenkiosk werden die Prozesse der produktiven Datenpraxis in alltägliche Situationen und institutionalisierte Prozesse eingebettet.

Wohlwollend: Wie ist`s, bei dir zu sein? – ein Bookazine

Das Bookazine „Wohl Wollend: Wie ist’s bei dir zu sein?“ ist eine Arbeit über das Zuhause. Darüber, was es ausmacht, wie wir es finden, und wie es aussieht. Die Arbeit soll als Aufforderung verstanden werden, sich Räume aktiver anzueignen, zu beleben, zu besetzen und zu lieben. Im Kontext einiger Wohnraumwechsel, entstand eine Faszination über Dinge, Gefühle und Menschen, die aus Räumen ein Zuhause machen. Die Arbeit entwickelt ein Verständnis, das Raum etwas ist, das wir uns leihen, aneignen und dann weitergeben. Begonnen mit einer Umfrage, welche Erkenntnisse über die Zusammensetzung von Zuhause gibt, entsteht ein „WohnWiki“. Kategorisert, sortiert und geordnet bildet es den Grundstein für Aufbau und Inhalt des Bookazines. Niederschwellig, konsumierbar, informativ, interaktiv und spaßig sammelt das „Wohl Wollend“-Bookazine Informationen über das Zuhause und inkludiert Faktoren, welche über den Raum als eine gebaute Substanz herausgeht. Der Raum ist unsere Ressource, in dem das Zuhause erst beginnt. Wenn wir genau wissen welche Stategien in uns dieses Gefühl von Zuhause auslösen, können wir diesen Dingen gezielt nachgehen, sie verfolgen und suchen, um Wohlbefinden und Vertrautheit zu stärken.

Intertexta Archiv

Das Intertexta Archiv ist die fiktive Ausstellung einer Vergangenheit im Jahr 2126. Es sammelt Artefakte, Fragmente und Zeugnisse einer Epoche, in der algorithmische Systeme begannen, Denken, Stadtstruktur und gesellschatliche Entscheidungen zu prägen. Als retrospektive Konstruktion blickt das Archiv nicht dokumentarisch, sondern spekulativ auf unsere Gegenwart zurück. Es versteht sich weniger als Speicher von Fakten, sondern als Raum der Reflexion: ein Ort, an dem sichtbar wird, wie sich Wahrnehmung, Verantwortung und Autonomie im Zeitalter der KI verschieben könnten. Dabei werden von Hand geschaffene Artefakte von Audio-Guides kontrastiert, die als algorithmisch induzierte Filterblasen aus erster Hand zeigen, wie heutige Technologie zu einer Heteronomie des Denkens führen kann.

ParthenoGenesis – uniparens

Der Entwurf setzt sich mit der Frage auseinander, wie eine Welt und eine Gesellschaft ohne Geschlechter aussehen könnten. Ausgangspunkt war die Suche nach einem Lebewesen, das sich eigenständig fortpflanzen kann, ohne sich dabei zu klonen. Diese biologische Voraussetzung führte zur Eidechsenart Aspidoscelis uniparens, die ausschließlich aus weiblichen Tieren besteht und sich durch Parthenogenese vermehrt. Als kultureller Bezugspunkt dient die biblische Schöpfungsgeschichte (1. Buch Mose), deren Erzählung von Adam und Eva exemplarisch verdeutlicht, wie religiöse Narrative zur Festigung binärer Geschlechterordnungen beigetragen haben. Daraus entwickelte sich die Idee, ein Kirchenfenster zu entwerfen, welches die Geschichte einer eingeschlechtlichen Gesellschaft erzählt, deren Lebensweise auf den Eigenschaften dieser Eidechsenart beruht. Als Form wurde ein Rosettenfenster gewählt, da der Entwurf stark von zyklischem Denken geprägt ist. Im Zentrum steht die einzelne Eidechse, umgeben von Eiern als Ursprung allen Lebens. Der erste Ring zeigt die Schöpfungsgeschichte dieser Welt, die folgenden Flächen stellen den Lebenszyklus dar: Eiablage, Schlüpfen, Jungtierphase, Nackenbiss, Altern und Tod.In den äußeren Kreisen werden gesellschaftliche Vorzüge dieser Ordnung symbolisiert, etwa das Fehlen von Rollenbildern, weniger soziale Zwänge sowie das Wegfallen von Verpflichtungen über den Tod hinaus. Ziel war es, eine alternative Welt zu formen, in dem Geschlecht keine Rolle spielt.

„Ceci a tué cela“

Seit der Industrialisierung wachsen Städte unkontrolliert und wild. Ihr Motor ist ein kapitalistisches System, welches natürlich gewachsene, städtische Prozesse zunehmend vereinnahmt. Hier manifestiert sich in der gebauten Umwelt eine Logik, welche auf Profit und Wachstum ausgerichtet ist. Die Folgen dieses Wandels sind für Mensch, Tier und Natur verheerend. Kaum ein Bereich des Lebens bleibt davon unberührt. In einem schleichenden Prozess verdrängt dieses System maßloser Wertschöpfung das Leben aus dem urbanen Raum. „Ceci a tué cela“ – die Stadt ist tot, und der Kapitalismus hat sie getötet. Vor diesem Hintergrund stellt das Projekt die Fragen, ob wir heute nur noch in einer simulierten Kulisse des Geldes leben und inwiefern diese urbane Szenerie menschlichen Bedürfnissen überhaupt noch gerecht wird. Ausgehend von Victor Hugos Diktum „ceci tuera cela“ aus Notre-Dame de Paris erfährt die Aussage im Projekt eine bewusste Zuspitzung. Was dort als Bedrohung eines beständigen Systems durch Innovation formuliert wird, wird hier als bereits vollzogene Transformation gelesen: Der Stadtorganismus als lebendiges Gefüge wird durch kapitalistische Verwertungslogiken, Rationalismus und funktionalistische Planung bedroht. Die kritische Auseinandersetzung mit diesen gesellschaftlichen Prozessen wird dabei als integraler Bestandteil raumschaffender Praxis verstanden. Der Entwurf untersucht die Schnittstellen von Kapital, Macht und Eskapismus im urbanen Raum und verarbeitet Wahrnehmungen, Beobachtungen und Recherchen zum gegenwärtigen Zustand der Stadt durch eine kritisch-analytische Linse. Zentrales Medium ist eine großformatige architektonische Zeichnung in Form eines Mega-Drawings, dass als Instrument dient, komplexe Zusammenhänge und Widersprüche im Stadtorganismus sichtbar zu machen. In Anlehnung an Henri Lefebvres Raumtheorie wird Raum nicht als neutrale Hülle, sondern als gesellschaftlich produziertes Konstrukt verstanden – als Vielzahl sozialer Räume, die sich überlagern, verbinden, trennen und in Kontrast zueinander treten. Die urbane Sphäre wird in der Zeichnung in sieben abstrahierte Bereiche auf einer fiktiven Simulationsfläche geteilt, welche Dynamiken von Kapital, Macht, Eskapismus und Realitätsverlust innerhalb des Stadtorganismus abbilden. Durch bewusste Abstraktion, Überzeichnung und Verfremdung vertrauter urbaner Symbole soll ein Gefühl von „uncanny valley“ vermittelt werden, das zur kritischen Reflexion eigener Wahrnehmungen und Haltungen anregen soll. Was sich in Worten besser ausdrücken lässt und tiefer geht, als zeichnerisch dargestellt werden kann, wird in begleitenden, literaturgestützten Streitschriften architekturtheoretisch und realitätsbezogen thematisiert. Diese Streitschriften stecken den theoretischen Rahmen um das Phänomen der Toten Stadt, ihren Zusammenhang mit dem kapitalistischen System, die Auswirkungen auf das Individuum sowie (architektur-)theoretische Ansätze, basierend auf Jean Baudrillards “Simulacra and Simulation”, ab. Die Arbeit erhebt weder Anspruch auf eine konkrete Lösung noch stellt sie einen normativen Entwurf dar. Vielmehr versteht sie sich als visueller und theoretischer Appell: Ziel ist es, sowohl Raumschaffende als auch Raumbewohner*innen für die strukturellen Probleme der gegenwärtigen Städte zu sensibilisieren und zur kritischen Auseinandersetzung mit der ethischen Verantwortung raumschaffender Disziplinen anzuregen. 

Seminare

Szenenbild 101 ist ein Kooperationsseminar zwischen dem IGmA und dem Studiengang Szenenbild/Production Design der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Räume im Film zur Erzählung werden und welche gestalterischen Mittel eingesetzt werden können, um Atmosphäre, Handlung und Charaktere über räumliche Gestaltung zu entwickeln.

Ausgangspunkt der semesterbegleitenden Aufgabe war ein vorgegebener Drehbuchausschnitt, der für alle Gruppen identisch war. Auf dieser Basis entwickelten die Studierenden eigene Rahmengeschichten sowie individuelle räumliche Konzepte. Ziel war es nicht, einen klassischen Architekturentwurf zu erarbeiten, sondern Räume als erzählerische Werkzeuge zu verstehen – als Szenenbilder, die Stimmungen erzeugen, Figuren charakterisieren und narrative Zusammenhänge unterstützen.

Die Entwürfe wurden als Modelle umgesetzt, jedoch mit einem Fokus auf filmische Raumwirkung statt auf architektonische Darstellung. Materialität, Oberflächen, Ausstattung, Licht und Perspektive spielten eine zentrale Rolle. Die auf der Website gezeigten Modellfotografien machen sichtbar, wie unterschiedlich ein identischer Text räumlich interpretiert werden kann und wie vielfältig daraus eigenständige visuelle Erzählungen entstehen.

Ergänzt wurde das Seminar durch Workshops und Input-Sessions an der Filmakademie, einen Setbesuch sowie die aktive Mitarbeit der Studierenden beim Bau eines Szenenbildes im Maßstab 1:1. Diese mehrwöchige Bauphase ermöglichte einen direkten Einblick in die Arbeitsprozesse des Szenenbilds – vom Entwurf über die handwerkliche Umsetzung bis zur räumlichen Wirkung vor der Kamera.

Das Seminar bot damit nicht nur eine Einführung in szenografisches Entwerfen, sondern auch einen praxisnahen Einblick in ein Berufsfeld, das an der Schnittstelle von Architektur, Film und Gestaltung liegt.

Lehrperson: Andrea Irion

Der Ruf nach Bürokratieabbau ist populärer denn je. Selten wird dabei jedoch der Zusammenhang zwischen einem funktionierenden Staat und einer starken Demokratie berücksichtigt.  Denn, „Verwaltung ist (…) der Transmissionsriemen zwischen Gesetzgebung und den Bürger:innen und macht den Staat damit erlebbar.“ (Julia Borggräfe) Was aber, wenn Verwaltung als dysfunktional wahrgenommen wird?  Davon ausgehend, dass eine funktionierende Verwaltung ein echter Resilienzfaktor in Krisenzeiten sein kann, werden wir im Seminar den Potentialen, aber auch den Herausforderungen zukunftsorientiertem Verwaltungshandeln im Bereich der Architektur nachgehen. Auf Basis des Wissens um eine rund 150-jährigen Regulierungsgeschichte von Architektur und Stadtplanung werden wir im Laufe des Semesters

Bürokratopien

im Sinne von sowohl utopischen als auch dystopischen Szenarien entwickeln und damit den Zusammenhang von Architektur und Verwaltung innerhalb repräsentativer Demokratie und Rechtsstaat beleuchten.

Lehrperson: Verena Hartbaum

Das Seminar ist Think tank und Action tank zugleich: Als Think tank wird es sich Gedanken machen über das 2027 anstehende Finale der IBA’27 und die Frage, welche intellektuellen Beiträge diese Bauausstellung, die anlässlich des 100-jährigen Weißenhof-Jubiläums ins Leben gerufen wurde, ins Zentrum einer internationalen Abschlusskonferenz stellen könnte. Und als Action tank erarbeitet das Seminar Zukunftswissen in Form von spekulativen und provokativen Szenarien für den Weißenhof selbst. Dafür wählen wir die Methode des strategic foresight – das systematische Nachdenken darüber, was kommen könnte auf Basis einer Analyse der Gegenwart bzw. einer Analyse jener Veränderungen, die bereits im Gange sind. Die daraus entwickelten Zukunftsbilder fördern die konkrete Vorstellungskraft und fungieren als kooperatives Medium der Erkundung verschiedener Zukünfte.

Es wird Exkursionen, Workshops und Diskussionen geben. Und schließlich eine Pop-up-Ausstellung namens WeißenhOFFENCE.

 Lehrperson: Stephan Trüby, Verena Hartbaum

Impressionen aus den Seminaren

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