Lehre im Sommersemester 2025

Hier findet sich neben dem Lehrangebot auch eine Auswahl an Studierendenarbeiten und Impressionen vom IGmA-Day.

Entwurfsstudio

Rollercoaster 2 – Follies: Architektur als Kuriosum

Rollercoaster 2 knüpft an die Auseinandersetzung mit Erlebnisarchitektur an und untersucht die Figur der Folly im heutigen Kontext. Der Begriff stammt aus der Gartenkunst des 18. Jahrhunderts und bezeichnet kleine Bauwerke ohne klare Funktion – künstliche Ruinen, exotische Pavillons oder architektonische Kuriositäten, die allein der Überraschung, der Irritation oder der Imagination dienten. Im Zentrum des Projekts stand die Frage, welche Bedeutung diese scheinbare Zweckfreiheit heute haben kann. In einer Zeit, in der Städte zunehmend über Bilder, Identität und besondere Orte funktionieren, gewinnen Architekturen an Bedeutung, die Aufmerksamkeit erzeugen und Wahrnehmung steuern, ohne primär funktional zu sein. Das Folly wird dabei als bewusstes Kuriosum verstanden: als Objekt, das Erwartungen unterläuft, Fragen aufwirft, Irritation schafft oder neue Lesarten eines Ortes ermöglicht. Der Entwurf untersucht, wie sich die historische Idee der Folly – zwischen Spiel, Inszenierung und künstlicher Bedeutung – in eine Gegenwart übersetzen lässt, die stark von Erlebnisorientierung, Bildproduktion und Digitalisierung geprägt ist. Im Rahmen des Entwurfes führte eine Exkursion nach Paris und in das Disneyland Resort. Während in der Stadt Fragen nach Inszenierung, Bildproduktion und ikonischer Architektur im urbanen Kontext untersucht wurden, stand im Disneyland die räumliche Logik thematisierter Erlebniswelten im Mittelpunkt. Die Analyse von Wegeführung, Maßstab, Fassadengestaltung und atmosphärischer Kontrolle ermöglichte einen direkten Einblick in Strategien der Kulissenarchitektur und deren Wirkung auf Wahrnehmung und Orientierung. Die daraus entstandenen Entwürfe zeigen in vielfältiger Form, wie heutzutage mit dem Begriff Folly umgegangen werden kann. Dabei war die Wahl des Mediums freigestellt. Am Ende des Semesters wurden die Entwurfsergebnisse im Rahmen einer gemeinsamen Ausstellung im Foyer des Kollegiengebäudes 1 ausgestellt und am IGmA Day 25 präsentiert. 

Lehrpersonen: Andrea Irion, Stephan Trüby

Studierendenarbeiten

Tanzende Architektur 

Ausgehend von der Improvisation des Jazzstücks So What von Miles Davis übersetzt das Projekt musikalische Impulse in räumliche Strukturen. Rotierbare, bis zu 3,5m hohe Stahlrahmen schaffen eine interaktive Choreografie des Gehens: Jeder Schritt verändert das Gefüge, jede Begegnung eröffnet neue Blickachsen und Übergänge. 

Die Besucher:innen selbst werden zu Performer:innen – indem sie die Strukturen drehen, neue Wege öffnen und den Raum ständig neu komponieren, wie ein Puzzle, das sich immer wieder verändert. Große, beidseitig offene Stahlrohre erzeugen klare Töne durch Wind oder Interaktion und lassen ein variables Klangbild entstehen. Verborgene Klangplatten im Boden setzen überraschende Akzente und verwandeln den Spaziergang in eine offene Improvisation. 

Transluzente Stoffhüllen und bodenintegrierte Lichtführung erzeugen fließende Ebenen aus Licht und Schatten. Im Fokus stehen die Zwischenräume – Momente, Atmosphären, das Unerwartete. 

Die Installation entfaltet an drei Standorten in Stuttgart unterschiedliche Narrative: 

  • Schlossgarten: offener Impuls und freiwillige Entdeckung, 
  • Stadtgarten: Irritation des Alltäglichen, doch es eröffnet sich die Wahl, alternative Wege einzuschlagen, 
  • Menzel-Bourguiba-Weg: eine gefasste Passage, die Klang, Natur und Architektur verbindet. Hier führt der Weg zwangsläufig durch die Installation. 

The Billionaires

Das Projekt „The Billionaires“ soll das Handeln und die aktuellen Entwicklungen rund um die Tech-Oligarchen der USA thematisieren und kritisch in einem digitalen Folly darstellen. Die endgültigen vier Follys beziehen sich auf Amazon (Jeff Bezos), Doge (Elon Musk), Meta (Mark Zuckerberg) und X (Elon Musk, erneut…). Diese sind jeweils als Bilder zu be-trachten und als digitale Objekte wurden sie in den Stadtraum bzw. die digitale Realität integriert.Die ersten gestalteten Follys bezogen sich noch auf Gegensätze und standen unter diesem Thema. Ein Folly trug den Titel „Tag und Nacht“ , ein weiteres „Ordnung und Chaos“ weiteres „Ordnung und Chaos“ , „Gott und Mensch“ und der „Janus-Tempel“ , „Gott und Mensch“ und der „Janus-Tempel“. Letzterer war inspirierend für den weiteren. Letzterer war inspirierend für den weiteren Verlauf des Projektes und zeigte unter anderem die Köpfe von Musk und Bezos. Die später entstandenen Follys sollten nun die Geschichte des Silicon Valleys und Kritik an den aktuellen Ereignissen darstellen. Da diese jedoch wenig aussagekräftig waren und das Thema zu groß erschien, fokussierte sich das Projekt letztlich auf die aktuellen Ereignisse und deren kritische Darstellung. 

Schischi

Schischi.shop benutzt das Ornament, um aus Architektur eine Follie zu machen. Der Shop ist mein Entwurf zum Thema Freizeit- und Erlebnisarchitektur. Ausgehend von der Frage, was eine Follie ist – ein unnützer Zierbau, geschaffen allein zum Vergnügen – untersuche ich Ornament als Mittel der Transformation. Durch die Exkursionen nach Disneyland Paris und auf den Cannstatter Wasen habe ich mich im Entwurf mit Freizeitarchitektur auseinandergesetzt: einer Architektur, die von Überfrachtung, Inszenierung und Exzess lebt. Dieses Prinzip verbinde ich mit der Ästhetik der 2000er Jahre (y2k), mit Bling Bling, Accessoires, „too much“. Ornamente werden in diesem Style neu gedacht, nicht historisch zitiert, sondern popkulturell übersteigert. Strasssteine, Fassadensticker und additive Elemente fungieren wie modische Accessoires für Gebäude. Der Shop dient als Verkaufsformat dieser Idee: Ornament wird zum Werkzeug des „Follierens“. Jedes Gebäude kann durch Überformung zur Follie werden. Schischi versteht Architektur als Upgrade: Pimp your style. Pimp your house! 

Seminare

Auf der Suche nach dem gemeinsamen Ort im Kosmos der Gedanken haben wir in diesem Methodenseminar durch Commonplacing individuelle Sammlungen von Gedanken, Inspirationen und Referenzen strukturiert zugänglich gemacht und den Erkenntnisgewinn im Entwurfsprozess begleitet. Einträge wurden gesammelt, selektiert und anschließend in Places abgelegt, wo sie wiedergefunden und miteinander vernetzt werden konnten.Angesichts immer komplexer werdender Verstrickungen unserer Disziplin und einer Vielzahl von Informationen, Bedürfnissen und Szenarien, die es zu berücksichtigen gilt, sind wir auf strukturierende Werkzeuge angewiesen. Gleichzeitig steht uns ein unerschöpflicher Fundus an Referenzen und Wissen zur Verfügung, der den Prozess bereichern kann, aber auch in eine Schleife der Reproduktion oder sogar in Entwurfsparalyse münden kann. Kollektaneenbücher, auch Common-Place-Books genannt, sind eine Sammlung von Auszügen aus literarischen oder wissenschaftlichen Werken, Bildern oder Skizzen. 

Ihren Ursprung finden sie in der Pädagogik der klassischen Rhetorik, wo sie in der Antike als Werkzeuge zur Wissensorsganisation und Argumentationsstrategie dienten. Der gemeinsame Ort findet sich als tópos koinós bei Aristoteles ebenso wie später bei Cicero in der Idee des locus communis.Das unprätentiöse Buchgenre kennt diverse Vorläufer und Parallelerscheinungen, wie das chinesische Biji aus dem 11.Jahrhundert, das durch die vermeintliche Marginalität und Vielfalt seiner Inhalte ebenso populär wurde, wie die italienischen Zibaldoni aus dem Spätmittelater und der Renaissance. Ein für literarische Denkprozesse (Dante Alighieri) ebenso wie für entwurfs-architektonische und architekturtheoretische Auseinandersetzungen (L.B. Alberti) geeignets Werkzeug. Studien, Lektüren und Beobachtungen wurden aufgezeichnet und in thematischen oder chronologischen Sammlungen strukturiert. Einen bedeutenden Einfluss auf die Verbreitung und Systematisierung solcher Bücher hatte der britische Philosoph John Locke. In seinem Werk A New Method of Making a Common-Place-Book (1706) schlug er eine methodische Herangehensweise und Indexierung vor. 

Common-Place-Books sind nicht nur individuelle Zusammenstellungen und persönliche Arbeitsmittel, sondern auch Spiegel der intellektuellen Entwicklungen ihrer Zeit. Sie boten einen Einblick in die Gedankenwelt von Persönlichkeiten wie Francis Bacon, Thomas Jefferson oder Virginia Woolf.Insbesondere in der frühen Neuzeit entwickelten sich die Bücher auch zu einem Mittel der Selbstermächtigung: Während Hofdamen wie Adelaide Seymour darin zunächst Zeugnis über eine gute Kenntnis sozialer Gepflogenheiten und eine vorbildliche Erziehung ablegen sollten, wurden sie weit darüber hinaus auch zum Spiegel der intellektuellen Geisteswelt von Frauen wie Elizabeth Lyttelton, die von klassischer Hochschulbildung ausgegrenzt wurden. Im Zentrum steht dabei klassischerweise weniger die Introspektion als die Reflexion von äußeren Eindrücken. Neben textbasierten Formaten, wie klassischen Kollektaneen oder Zettelkästen, haben wir auch einen Blick auf grafische Sammlungen wie den Atlas von Gerhard Richter oder Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne geworfen. In der Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen verschiedener digitaler, analoger und hybrider Arbeitsweisen und durch die Fragmentierung und Assemblage der Inhalte, konnten neue Zusammenhänge und im luhmannschen Sinne vielleicht sogar die ein oder andere Überraschung generiert werden.

Mit Beiträgen von Cemile Zülal Avaz,  Jana Henger, Thea Hillenmeier, Maren Hummel, Ralitsa Kalinova, Dominik König, Nadine Mohamed, Mariia Pashchenko, Leonie Philipp, David Schadwill, Emily Schwaljuk und Beyza Turan.

Lehrperson: Giuliana Fronte

Das Blockseminar begleitet den IGmA-Entwurf Rollercoaster IGMA II und bietet eine umfassende Auseinandersetzung mit der Entstehung und Entwicklung von Themenparks. 

Es beinhaltet eine integrierte Exkursion nach Paris, inklusive eines Besuchs im Disneyland Paris sowie weiteren Programmpunkten in der Stadt.

Im Seminar wird die historische und theoretische Entwicklung von Themenparks untersucht – von den höfischen Festen in den Gartenanlagen des europäischen Adels und den inszenierten Landschaften des Englischen Gartens bis hin zu den Weltausstellungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Ein besonderer Fokus liegt auf der Geschichte des Disney-Konzerns und seiner Architekturabteilung Imagineering. Ergänzend dazu wird das umfassende Medienprogramm Disneys beleuchtet: von der Filmproduktion über immersive Attraktionen in den Parks bis hin zu Resorts und den städtebaulichen Ambitionen des Unternehmens.

Lehrpersonen: Andrea Irion, Philipp Krüpe

Im Jahr 1923 erschien Le Corbusiers Vers une Architectur, eine Kompilation von Aufsätzen aus der von Le Corbusier, Amédée Ozenfant und Paul Dermée herausgegebenen Zeitschrift L’Esprit Nouveau. Die später ins Deutsche übertragene Fassung des Textes von Hans Hildebrandt wurde im Jahr 1926 unter dem Titel Kommende Baukunst veröffentlicht. 1963 wurde eine weitere Auflage mit einem neuen Vorwort Le Corbusiers gedruckt. Die über 100-jährige Geschichte des Textes und sein großer Einfluss auf die Architektur der klassischen Moderne und die Nachkriegsarchitektur bis zur Architektur der Gegenwart rechtfertigt eine erneute Auseinandersetzung mit seinen Thesen. Im Unterschied zu den Dessauern Bauhausbüchern ist Vers une Architectur eine eklektische Auswahl von Themen der klassischen Architekturtheorie, die Le Corbusier mit weiteren Themen ergänzte und zu einer Theorie der modernen Architektur umschrieb.

Die in 7 Kapitel aufgeteilten Thesen des Textes werden im Seminar auf ihre architekturtheoretischen und architekturästhetischen Einflüsse sowie ihre breite Wirkungsgeschichte analysiert. Ganz unterschiedliche Architekten wie Guiseppe Terragni, die New York Five und das Atelier 5 haben Le Corbusier rezipiert und neu interpretiert. Weiterführend soll die Frage gestellt werden, welche Thesen in Vers une Architectur heute noch Aktualität besitzen bzw. um welche Themen der Text ergänzt werden müsste und bei welchen Punkten Le Corbusiers Argumentation in die falsche Richtung wies.  

Lehrperson: Hartmut Mayer

Weißenhof als Eislaufbahn

Weißenhof als Erdwärmeanlage

Weißenhof als Formel-1-Rennstrecke

Weißenhof als Friedhof

Weißenhof als Golfplatz

Weißenhof als Kochenhof

Weißenhof als Resort

Weißenhof als Ruine

Weißenhof als Schloss

Weißenhof als Serverfarm

Weißenhof als Spaßbad

Weißenhof als Vergnügungspark

Weißenhof als Verkehrsübungsplatz

Weißenhof als Windkraftanlage

Weißenhof als…

Das Seminar ist Think tank und Action tank zugleich: Als Think tank wird es sich Gedanken machen über das 2027 anstehende Finale der IBA’27 und die Frage, welche intellektuellen Beiträge diese Bauausstellung, die anlässlich des 100-jährigen Weißenhof-Jubiläums ins Leben gerufen wurde, ins Zentrum einer internationalen Abschlusskonferenz stellen könnte. Und als Action tank erarbeitet das Seminar spekulative und provokative Szenarien für den Weißenhof selbst. Historisches Vorbild sind die Zeichnungen, die anlässlich der Konferenz Architektur der Zukunft der Architektur 1981 in Stuttgart ausgestellt wurden. Es wird Exkursionen, Workshops und Diskussionen geben. Und schließlich eine Pop-up-Ausstellung namens WeißenhOFFENCE.

Lehrpersonen: Stephan Trüby

Impressionen aus den Seminaren

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