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@IGmA

@IGmA ist Galerie und Projektraum des Instituts für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (IGmA).

@IGmA 3: Architektur der Schönheit der Architektur / Architecture of Beauty of Architecture (UoLG-Weltausstellung)

Lange vor Louis Sullivans 1896 erschienenem Aufsatz „The tall office building artistically considered“, in dem die berühmte Formulierung “form follows function” fiel, hatte bereits an der University of Looking Good (UoLG) die Regel „Form follows function follows beauty“ gegolten. Heute ist das Thema der Schönheit aktueller denn je – und scheint zum Hauptkriterium zur Beurteilung von Architektur geworden zu sein. 

Was bedeutet Schönheit in der und für die Architektur? Dieser Frage haben sich UoLGisten im Rahmen des Projekts "Architektur der Schönheit der Architektur“ unter anderem in RGB-, NTSC-, PAL/SECAM-Videoräumen angenähert. In der Ausstellung sind Bewegtbildkonstrukte von

Gen Foundation

Diamond Team,

Malte Didrichkeit

Homo Illusionator

Laboratory for WTF

Anna Oechsle

 

zu sehen und zu erfahren: Verpixelungen, Zoomstufen (ins and outs) und eingelassene mehrdimensionale Kamerafahrten über geschmäcklerische Bauwerkstrukturen, ebenso mehrspurige Soundtracks. Mit Sullivan gilt: „So wie Du bist, so sind Deine Gebäude.“ Laut UoLG braucht man 18 Minuten um die Ausstellung zu verinnerlichen.

@IGmA 2: Draußen in Teheran. Dialektik der Moderne in Iran

Am 11. Februar 2019 erinnern staatstragende Zeremonien in ganz Iran an den 40. Jahrestag der Islamischen Revolution – und damit an eine massive Umwälzung des gesamtgesellschaftlichen Systems von einer Monarchie zu einer Theokratie, die auch als Ablehnung einer Top-Down-Modernisierung des Landes durch den Schah nach europäischen und US-amerikanischen Vorbildern zu verstehen ist. Seitdem ist die Suche nach einer spezifisch iranischen Moderne ein fortlaufender Prozess. Auch in der Architektur.

Die Rauminstallation* folgt der Idee eines „Camp of Faith“ des iranischen Architekturtheoretikers Hamed Khosravi, der im Prinzip der islamischen Stadt eine räumliche Antwort auf die neoliberale Rhetorik von Flexibilität und Unbestimmtheit in der modernen Architektur und Stadtplanung erkennt.[1] Folgt man Khosravi, so ist die Meta-Architektur einer bewohnten Wand der Ursprung zahlreicher Raum-Typologien in und über Iran hinaus.  

So bildete sich etwa die islamische Stadt – die Medina als der Einheit von Recht, Politik und Religion – aus den Glaubensgemeinschaften der Umma, die sich durch eine schützende Wand von den Paganen (lat. für „Heiden“, „Landbewohner“) trennten. Die im Zentrum angeordnete Moschee erfüllte dabei im ursprünglichen Sinne keine ausschließlich religiöse Funktion, sondern diente vor allem als politischer Treffpunkt. Das Prinzip eines kollektiven inneren Raumes, der durch die rundum angeordneten privaten Räume definiert und geschützt wird, findet sich aber auch in vorislamischen Typologien sowie in modernen, säkularisierten Architekturen wieder. Zu denken ist darüber hinaus an die räumliche Struktur einer Karawanserei oder einer traditionellen Madrese (Schule) sowie an den typisch iranischen Meydan mit dem darum angeordneten Bazar.

Eigentlich steht das Planungsdogma der Moderne – die offene und durchlässige Struktur, die sowohl physische Mobilität als auch freien Finanz- und Warenverkehr uneingeschränkt möglich macht – dem Prinzip der umgrenzten Gemeinschaft diametral gegenüber. Doch selbst in einer modernen und polyzentrischen Megastadt wie Teheran bleibt die Wand als umkehrende (!) Bestimmung von privat und öffentlich, als Schutz vor Überwachung und Restriktionen und als die Möglichkeit zur In-und Exklusion des Selbst/des Anderen weiterhin das Grundelement einer politischen Architektur, die auch eine Architektur der Moderne ist.

*Mit freundlicher Unterstützung der Firma Fibran.

[1] Hamed Khosravi: “Camp of Faith. The Political Theology of the Islamic City”, in: Pier Vittorio Aureli (Hg.): The City as a Project, Berlin: Ruby Press, 2013.

@IGmA 1: Bayern, München: 100 Jahre Freistaat. Eine Raumverfälschung

Im Jahr 2018 feiert Bayern das hundertjährige Bestehen seines Freistaats – Zeit, sich an die Münchner Räterepublik und die sozialistischen Ursprünge dieses Landes zu erinnern; Zeit, die konservativen wie auch die emanzipatorischen Momente des Freistaates zu rekapitulieren; Zeit auch, die Raum und Architekturproduktion Bayerns und seiner Hauptstadt München genauer unter die Lupe zu nehmen. Bayern, München untersucht das Städtische im Ländlichen und das Ländliche im Städtischen und entfaltet ein kulturgeschichtliches Panorama, das die Höhen und Tiefen des 20. und 21. Jahrhunderts – das „Zeitalter der Extreme“ (Eric Hobsbawm) – aus weiß-blauer Perspektive nachvollziehbar macht.

Bayern, München ist eine Ausstellung über ein neues Buch namens Bayern, München, das 2018 von Stephan Trüby, Verena Hartbaum, c/o now und der University of Looking Good (UoLG) herausgegeben wird. Im Zentrum der Ausstellung steht dabei das in Bayern, München veröffentlichte Projekt „Modell Roderich. Eine Erfolgsgeschichte“ von Alexandra Haßlacher und der University of Looking Good.

Das Buch Bayern, München besteht aus vielen Büchern: Eine Reihe von Essays, die von Elena Markus, Martin Murrenhoff und den HerausgeberInnen verfasst wurden, schlagen einen historischen Bogen von 1918 bis 2018 und nehmen die kulturelle, architektonische und städtebauliche Entwicklung im Bayern der letzten hundert Jahre in den Blick. Freistaat-Expert*innen Stephan Dillemuth, Thomas Meinecke, Michaela Melián, Andreas Neumeister, Hito Steyerl und Raimund Thomas gewähren Einblicke in ein Bayern, München, die nicht zuletzt aktuell virulente Themen wie Rechtspopulismus und Separatismus um prononcierte Diskussionsbeiträge bereichern. Als gemeinsamer Nenner der Beiträge fungiert implizit und explizit der Begriff der „Raumverfälschung“, der im Jahre 1903 vom späteren Räterepublik-Aktivisten Gustav Landauer in seiner Schrift Skepsis und Mystik: Versuche im Anschluss an Mauthners Sprachkritik eingeführt wurde. Landauer dachte damit die Ewigkeit nicht als ewig ausgedehnte Zeitspanne, sondern vielmehr in jedem Augenblick der Zeit gegenwärtig. Die Vorstellung von Vergangenheit und Zukunft sei eine „Raumverfälschung“, weil erst durch die Übertragung der Raumvorstellungen suggeriert würde, wir befänden uns an einem Punkt, von wo man rückwärts und vorwärts sieht.

Vor diesem Hintergrund durchziehen Vergegenwärtigungen aller Art das Buch, die sich gegen die dominante raumverfälschende Erzählung eines nur-konservativen Bayerns wenden. Gleichzeitig werden auch im vorliegenden Buch Raumverfälschungen betrieben: Die spekulativen Projekte von Sarah Bookman, Nick Förster, Alexandra Haßlacher, Josephine Köhler, Tania Leutbecher, Yan Pechatschek und Leila Unland, die am Fachgebiet Architektur und Kulturtheorie der Technischen Universität München, der University of Looking Good (UoLG) und bei c/o now in Berlin entstanden, werfen Schlaglichter auf bis dato ungeahnte Dahoamigkeiten im Zeitalter der Globalisierung. In der publizierten Form verdanken sie sich einer Logik des Remix, bei der Projekte von Hand zu Hand gingen und sich dabei immer mehr „verfälschten“.

„Modell Roderich. Eine Erfolgsgeschichte“

Von Alexandra Haßlacher, University of Looking Good

Die ehemalige „Reichssiedlung Rudolf Heß“, die von 1936 bis 1938 in Pullach bei München erbaut und ab 1947 von der Organisation Gehlen und später vom Bundesnachrichtendienst (BND) genutzt wurde, wird nachverdichtet. Und zwar mit dem Fertighaustyp „Modell Roderich“, benannt nach dem Architekten dieser Siedlung, Roderich Fick. Mit dem Kauf der Häuser erwirbt man auch Drucker im BND-Überwachungskamera-Style, mit denen man den Instagram-Feed des Bauträgers ausdrucken kann. Gerade auf ehemaligem NS-Terrain gilt: „Wichtig ist, was hinten rauskommt.“